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Pieter Wtewael

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Pieter Wtewael

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Pieter Wtewael
1596 – 1660
Christus bei den Schriftgelehrten
Öl auf Leinwand, doubliert
101 x 134,5 cm, mit Rahmen 115 x 149,5
Provenienz: Versteigerung im Dorotheum (Alte Meister, 2021, Lot 84), seither in Wiener Privatsammlung Dr. Adrian Hollaender

Sammlung Hollaender
Die in ebenso fachkundiger wie geschmackvoller Weise jahrelang aufgebaute Sammlung renommierter Alter Meister entstammt dem Hause des bekannten Wiener Rechtsanwalts, Buchautors (z.B. „Pavarotti – Addio Luciano“, „Legenden und Stars der Oper“) und Kulturmanagers Dr. Adrian Hollaender.
Aufgewachsen in einem betont künstlerischen Umfeld, in dem schon seine Eltern, die Schauspielerin und Künstlermanagerin Univ.-Prof. Ariane Hollaender-Calix, und der legendäre langjährige Wiener Staatsoperndirektor Ioan Holender, als ausgeprägte Kunstfreunde und Sammlernaturen hervortraten, entwickelte sich Dr. Adrian Hollaender im Laufe der Jahre zu einem ebenso passionierten wie qualifizierten Sammler herausragender Meisterwerke der Malerei.
Seine nunmehr exklusiv beim Auktionshaus Tiberius zur Versteigerung gelangende Sammlung umfasst ausgesuchte Werke berühmter italienischer Meister, so etwa Andrea Vaccaros bekanntes von ihm monogrammiertes alttestamentarisches Bild „Abraham dismissing Hagar and Ishmael“, Sassoferratos stimmungsvolle „Madonna in prayer“ oder altvenezianische Meisterwerke von Nicolò Bambini und Francesco Corneliani und den legendären Il Mirandolese über eindrucksvolle Portraits der Turiner Meistermalerin La Clementina, bis hin zu holländischen Meistern wie van Goyen und Pieter Wtewael, sowie als besondere Zugaben eine altfranzösische Tapisserie und einen typischen Matisse.

Pieter Wtewael, Sohn des bedeutenden Utrechter Malers Joachim Wtewael, gehört zu jenen Künstlern, deren eigenständiges Œuvre erst vergleichsweise spät klar umrissen werden konnte. Ausgebildet im Atelier seines Vaters, übernahm er dessen manieristische Formensprache, entwickelte jedoch zugleich eine eigene künstlerische Handschrift. Obwohl Pieter nur für einen begrenzten Zeitraum – etwa zwischen den 1620er und frühen 1630er Jahren – als Maler tätig war, zeugt sein Werk von hoher Qualität und stilistischer Sicherheit. Die enge Verbindung zu seinem Vater führte dazu, dass zahlreiche Arbeiten lange Zeit Joachim zugeschrieben wurden; erst in der neueren Forschung gelang eine differenziertere Einordnung. Zudem ist davon auszugehen, dass Vater und Sohn gelegentlich gemeinsam an Gemälden arbeiteten. Das vorliegende Gemälde, dessen Zuschreibung durch Luuk Pijl bestätigt wurde, war bereits im Dorotheum Gegenstand einer kunsthistorischen Begutachtung.
Das dargestellte Thema, Christus unter den Schriftgelehrten, entstammt dem Lukasevangelium (Lk 2, 41–52) und zeigt den zwölfjährigen Jesus im Tempel von Jerusalem, wo er mit den Gelehrten diskutiert und durch seine Weisheit erstaunt. Die Szene gehört zu den wenigen Darstellungen aus der Kindheit Christi und bietet Künstlern die Möglichkeit, sowohl die intellektuelle Überlegenheit Jesu als auch die Verwunderung der älteren Autoritäten ins Bild zu setzen. Gleichzeitig verweist die Episode auf die göttliche Natur Christi, die sich bereits in jungen Jahren offenbart. In der niederländischen Malerei des 16. und 17. Jahrhunderts wurde das Thema häufig aufgegriffen, nicht zuletzt wegen seines Potenzials für differenzierte Charakterstudien und lebendige Gruppenszenen.
Im Zentrum der Komposition steht die jugendliche Gestalt Christi, die durch eine gezielte Lichtführung hervorgehoben wird und so visuell wie inhaltlich den Mittelpunkt bildet. Um ihn gruppieren sich zahlreiche Gelehrte, deren individuelle Physiognomien und ausdrucksstarken Gesten die Szene beleben. Christus ist in lebhafter Bewegung dargestellt: Er gestikuliert mit den Händen und wendet sich einem Mann zu seiner linken Seite zu, der ihm einen aufgeschlagenen Codex präsentiert und offenbar auf eine Textstelle verweist. Zur Rechten Jesu befindet sich ein turbantragender Gelehrter, der ebenfalls gestikuliert und so den Eindruck eines intensiven, beinahe kontroversen Austauschs verstärkt. Eine besonders charakteristische Figur ist der Mann im Hintergrund rechts, der seine Brille an die Nase hält und den Blick prüfend auf den Knaben richtet. Weitere Männer auf der rechten Bildseite scheinen dem Gespräch aufmerksam zu folgen und bilden eine Art Zuhörerkreis. Hinter der zentralen Gruppe öffnet sich der dunkle Innenraum und gibt den Blick nach außen frei. Dort sind zwei kleinere Figuren zu erkennen, die als Maria und Josef interpretiert werden können, welche ihren Sohn im Tempel wiederfinden. Diese räumliche Staffelung verstärkt die Tiefenwirkung und verleiht der Szene zusätzliche narrative Dimension.
Das Gemälde verdeutlicht eindrucksvoll die stilistische Nähe Pieter Wtewaels zur manieristischen Tradition seines Vaters, insbesondere in der Betonung expressiver Gestik, der differenzierten Charakterisierung der Figuren und der komplexen Kompositionsstruktur. Gleichzeitig zeigt sich eine gewisse Klarheit und Konzentration, die auf eine eigenständige Weiterentwicklung dieser Tradition hindeutet. Innerhalb der Utrechter Malerei des frühen 17. Jahrhunderts nimmt Pieter Wtewael damit eine interessante Zwischenstellung ein: Er bewahrt die kunstvolle Fertigkeit des späten Manierismus, verbindet diese jedoch mit einer stärkeren Hinwendung zu erzählerischer Prägnanz. Sein vergleichsweise kleines, aber qualitätsvolles Œuvre macht ihn zu einer wichtigen, wenn auch lange unterschätzten Figur der niederländischen Kunstgeschichte. 

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