Jan van Goyen
TIBERIUS – DIREKTVERKAUF
Verkaufspreis
€ 23.000
Jan van Goyen
1596 – 1656
Landschaft mit Bauern
Öl auf Leinwand
33 x 24, mit Rahmen 49,5 x 39 cm
Provenienz: Kunsthandel Charles Sedelmeyer, Wien, 1873, Nr. 66; Kunsthandel, London; Auktion, Christie’s, London, 25. April 2001, Lot 67; Auktion, Dorotheum, Wien, 3. Oktober 2001, Lot 240; Privatsammlung, Wien; Auktion, Dorotheum, Wien, 11. Mai 2022, Lot 84; Wiener Privatsammlung Dr. Adrian Hollaender
Sammlung Hollaender
Die in ebenso fachkundiger wie geschmackvoller Weise jahrelang aufgebaute Sammlung renommierter Alter Meister entstammt dem Hause des bekannten Wiener Rechtsanwalts, Buchautors (z.B. „Pavarotti – Addio Luciano“, „Legenden und Stars der Oper“) und Kulturmanagers Dr. Adrian Hollaender.
Aufgewachsen in einem betont künstlerischen Umfeld, in dem schon seine Eltern, die Schauspielerin und Künstlermanagerin Univ.-Prof. Ariane Hollaender-Calix, und der legendäre langjährige Wiener Staatsoperndirektor Ioan Holender, als ausgeprägte Kunstfreunde und Sammlernaturen hervortraten, entwickelte sich Dr. Adrian Hollaender im Laufe der Jahre zu einem ebenso passionierten wie qualifizierten Sammler herausragender Meisterwerke der Malerei.
Seine nunmehr exklusiv beim Auktionshaus Tiberius zur Versteigerung gelangende Sammlung umfasst ausgesuchte Werke berühmter italienischer Meister, so etwa Andrea Vaccaros bekanntes von ihm monogrammiertes alttestamentarisches Bild „Abraham dismissing Hagar and Ishmael“, Sassoferratos stimmungsvolle „Madonna in prayer“ oder altvenezianische Meisterwerke von Nicolò Bambini und Francesco Corneliani und den legendären Il Mirandolese über eindrucksvolle Portraits der Turiner Meistermalerin La Clementina, bis hin zu holländischen Meistern wie van Goyen und Pieter Wtewael, sowie als besondere Zugaben eine altfranzösische Tapisserie und einen typischen Matisse.
Jan van Goyen zählt zu den bedeutendsten Landschaftsmalern des niederländischen Goldenen Zeitalters. Nach seiner Ausbildung in Leiden entwickelte er sich zu einem der prägenden Künstler der sogenannten tonalen Landschaftsmalerei, die sich durch eine reduzierte Farbpalette und eine atmosphärisch dichte Wiedergabe der Natur auszeichnet. Van Goyen war außerordentlich produktiv und schuf ein umfangreiches Œuvre, das sich vor allem durch seine innovative Behandlung von Licht, Raum und Stimmung hervorhebt. Anstelle detaillierter Einzeldarstellungen trat bei ihm eine vereinfachte, auf Gesamtwirkung zielende Komposition, die den Blick des Betrachters in die Weite der Landschaft führt.
Das vorliegende Gemälde greift ein für van Goyen typisches Thema auf: die Darstellung einer ländlichen Szenerie mit einfachen Figuren, eingebettet in eine weitläufige Natur. Solche Darstellungen spiegeln nicht nur das niederländische Interesse an der heimischen Landschaft wider, sondern auch eine neue Wertschätzung des Alltäglichen. Die Figuren fungieren dabei weniger als Hauptakteure denn als belebende Staffage, die die Dimension der Landschaft verdeutlicht und eine erzählerische Komponente einführt.
Im Zentrum der Komposition steht im Mittelgrund eine markante Baumgruppe aus vier eng miteinander verschlungenen Stämmen. Die Bäume wirken in ihrem Wachstum beinahe verwunden und zeigen teilweise freiliegende Wurzeln, die sich in das steinige Terrain eingraben. Direkt dahinter erheben sich Felsformationen, die den Übergang zum offenen Horizont markieren. Darüber spannt sich ein weiter Himmel, dessen bläulicher Ton von dichten, bewegten Wolken durchzogen ist. Im Vordergrund zieht sich ein Flusslauf durch die Landschaft, begleitet von weiteren felsigen Partien, die die Szene strukturieren. Auf der rechten Seite sind zwei Figuren dargestellt: Eine sitzt am Boden, trägt einen breitkrempigen Hut und hat eine Angel geschultert, während die zweite Figur vor ihm kniet und sich offenbar mit der Ausrüstung beschäftigt. Die gesamte Szenerie ist in gedämpften, harmonisch aufeinander abgestimmten Erdtönen gehalten – Braun-, Grün- und Graunuancen dominieren und verleihen dem Bild eine ruhige, beinahe meditative Atmosphäre.
Van Goyens Bedeutung für die Entwicklung der niederländischen Landschaftsmalerei liegt insbesondere in seiner konsequenten Reduktion von Farbe und Detail zugunsten einer einheitlichen tonalen Wirkung. Sein Stil beeinflusste zahlreiche Zeitgenossen und nachfolgende Künstler und trug maßgeblich zur Etablierung der Landschaft als eigenständige Bildgattung bei. Die scheinbare Einfachheit seiner Kompositionen erweist sich bei näherer Betrachtung als Ergebnis einer hochentwickelten malerischen Sensibilität, die Licht, Raum und Naturbeobachtung in ein ausgewogenes Verhältnis setzt. Damit gehört van Goyen zu den zentralen Figuren der europäischen Landschaftsmalerei des 17. Jahrhunderts.
Literatur: Hans-Ulrich Beck, Jan van Goyen 1596-1656. Ein Oeuvreverzeichnis in zwei Bänden, Amsterdam, 1973, Band II, S. 96, Nr. 200a.
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