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Nicolò Bambini

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Nicolò Bambini

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Nicolò Bambini
1652 – 1736
Susanna und die beiden Alten
Öl auf Leinwand
147,5 x 200,5 cm, mit Rahmen 170 x 222 cm
Provenienz: europäische Privatsammlung, Versteigerung im Dorotheum (Alte Meister I, 2022, Lot Nr. 90), seither in Wiener Privatsammlung Dr. Adrian Hollaender.

Sammlung Hollaender
Die in ebenso fachkundiger wie geschmackvoller Weise jahrelang aufgebaute Sammlung renommierter Alter Meister entstammt dem Hause des bekannten Wiener Rechtsanwalts, Buchautors (z.B. „Pavarotti – Addio Luciano“, „Legenden und Stars der Oper“) und Kulturmanagers Dr. Adrian Hollaender.
Aufgewachsen in einem betont künstlerischen Umfeld, in dem schon seine Eltern, die Schauspielerin und Künstlermanagerin Univ.-Prof. Ariane Hollaender-Calix, und der legendäre langjährige Wiener Staatsoperndirektor Ioan Holender, als ausgeprägte Kunstfreunde und Sammlernaturen hervortraten, entwickelte sich Dr. Adrian Hollaender im Laufe der Jahre zu einem ebenso passionierten wie qualifizierten Sammler herausragender Meisterwerke der Malerei.
Seine nunmehr exklusiv beim Auktionshaus Tiberius zur Versteigerung gelangende Sammlung umfasst ausgesuchte Werke berühmter italienischer Meister, so etwa Andrea Vaccaros bekanntes von ihm monogrammiertes alttestamentarisches Bild „Abraham dismissing Hagar and Ishmael“, Sassoferratos stimmungsvolle „Madonna in prayer“ oder altvenezianische Meisterwerke von Nicolò Bambini und Francesco Corneliani und den legendären Il Mirandolese über eindrucksvolle Portraits der Turiner Meistermalerin La Clementina, bis hin zu holländischen Meistern wie van Goyen und Pieter Wtewael, sowie als besondere Zugaben eine altfranzösische Tapisserie und einen typischen Matisse.

Nicolò Bambini zählt zu den prägenden Vertretern der venezianischen Malerei des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts. Seine Ausbildung erhielt er zunächst in Venedig bei Sebastiano Mazzoni, bevor er früh nach Rom ging, wo er im Umfeld Carlo Marattas mit der klassizistischen Strömung der römischen Malerei vertraut wurde. Nach seiner Rückkehr nach Venedig entwickelte Bambini eine eigenständige Bildsprache, die venezianische Farbigkeit mit römischer Klarheit der Komposition verband. Er erhielt bedeutende Aufträge von der venezianischen Republik und dem lokalen Adel, darunter umfangreiche Dekorationsprogramme für Kirchen und Paläste wie Santo Stefano oder den Palazzo Ca’ Pesaro. In seinem späteren Werk zeigt sich zudem die Auseinandersetzung mit der dynamischen Malweise Luca Giordanos, während er gegen Ende seines Lebens auch mit Giambattista Tiepolo zusammenarbeitete. Bambini galt bereits zu Lebzeiten als vielseitiger und produktiver Künstler, dessen Œuvre ein breites Spektrum mythologischer und biblischer Themen umfasst.
Das vorliegende Gemälde behandelt die alttestamentarische Geschichte der Susanna und der beiden Alten (Daniel 13), ein Sujet, das in der Barockmalerei aufgrund seiner Verbindung von moralischer Erzählung und sinnlicher Darstellung besondere Beliebtheit genoss. Die fromme Susanna wird beim Bad von zwei älteren Männern beobachtet, die sie bedrängen und mit falscher Anklage bedrohen, sollte sie sich ihnen nicht hingeben. Die Szene kulminiert in dem Moment der Bedrohung und des inneren Konflikts, bevor Susanna öffentlich verleumdet wird und erst durch das Eingreifen des Propheten Daniel gerettet werden kann. Das Gemälde befand sich bereits in einer früheren Auktion im Dorotheum, wo es untersucht und kunsthistorisch eingeordnet wurde.
Im Zentrum der Komposition steht die junge Susanna, deren Körper nur teilweise von einem weißen Tuch bedeckt ist, das ihre Scham verhüllt. Sie sitzt an einer Quelle, aus der aus einem satyrartigen Brunnenkopf Wasser in einem kleinen Wasserfall herabströmt. In einer dynamischen, diagonal angelegten Bewegung scheint sie gerade aufzustehen: Mit der linken Hand stützt sie sich ab, während die erhobene rechte Hand eine erschrockene, abwehrende Geste formt. Ihr Kopf ist nach rechts gewandt, und ihr Blick richtet sich voller Furcht und Zurückweisung auf die beiden Männer. Ihr kunstvoll hochgestecktes Haar ist mit Perlen und Bändern geschmückt, ergänzt durch feine Perlenohrringe, was ihren Status und ihre Schönheit betont. Ein gezielt eingesetztes Licht hebt ihren Körper hervor – insbesondere Brust, Bauch und Oberschenkel – und verstärkt so die Spannung zwischen Unschuld und der voyeuristischen Bedrohung durch die Alten.
Diese beiden Figuren erscheinen in der linken Bilddiagonale und sind deutlich dunkler gehalten. Der vordere der beiden Männer stützt sich mit der rechten Hand auf den Rand des Brunnenbeckens und beugt sich vor, während sein Mantel sich in einer großen runden Falte um seinen Rücken legt. Der zweite, etwas zurückgesetzte Alte greift Susanna an der Schulter und hält sie fest; zugleich deutet er mit der Hand eine drohende Geste an, die den moralischen Druck der Situation unterstreicht. Beide Männer sind mit langem, silbergrauem Haar und Bart dargestellt, deren bewegte Strähnen den Eindruck von Lebendigkeit und Dramatik verstärken. Die gesamte Szene ist von dunklem Baumwerk gerahmt, während sich im Hintergrund ein heller, bläulicher Himmel öffnet. Auch das Wasser erscheint vergleichsweise dunkel, wodurch der helle Körper Susannas noch stärker hervortritt und zum visuellen Mittelpunkt der Darstellung wird.
Das Gemälde veranschaulicht eindrucksvoll Bambinis Fähigkeit, dramatische Erzählung mit eleganter Formensprache zu verbinden. Charakteristisch sind die bewegte Komposition, das differenzierte Spiel von Licht und Schatten sowie die expressive Gestik der Figuren, die die emotionale Spannung der Szene verdichtet. Zugleich bleibt die Farbigkeit weich und harmonisch, was die Nähe zur venezianischen Tradition erkennen lässt. Bambini gelingt es, Einflüsse der römischen Klassik, der venezianischen Malerei und der dynamischen barocken Bildsprache zu vereinen. Seine Werke stehen exemplarisch für die Übergangsphase zwischen dem strengen Klassizismus des 17. Jahrhunderts und der sich entwickelnden Leichtigkeit und Eleganz des venezianischen Rokoko.

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