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Jean François de Troy

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Jean François de Troy

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Jean François de Troy
1679 – 1752, zugeschrieben
Zwei Musen
Frankreich
18. Jahrhundert
Öl auf Leinwand
74,5 x 104,5 cm, mit Rahmen 93,5 x 122,5 cm
Rückseitig Etikett

Jean François de Troy zählt zu den vielseitigsten und bedeutendsten französischen Malern des frühen 18. Jahrhunderts. Als Sohn des renommierten Porträtisten François de Troy erhielt er seine erste Ausbildung im väterlichen Atelier, bevor ihn ein längerer Aufenthalt in Italien (1699-1706) entscheidend prägte. 1708 wurde er in die Académie royale aufgenommen, 1738 zum Direktor der Académie de France in Rom ernannt, wo er bis zu seinem Tod wirkte. De Troy war sowohl als Porträtist als auch als Schöpfer von Historienbildern, mythologischen und religiösen Szenen sowie eleganten Genredarstellungen geschätzt. Seine Malerei verbindet den dekorativen Reichtum und die Farbigkeit eines Paolo Veronese mit der dynamischen Sinnlichkeit eines Peter Paul Rubens. Zeitgenossen betrachteten ihn als einen der führenden Maler Frankreichs, dessen Werk wesentlich zur Entwicklung der französischen Malerei im 18. Jahrhundert beitrug.
Das Thema der Musen entstammt der antiken Mythologie: Als Töchter des Zeus und der Mnemosyne verkörpern sie die Künste und Wissenschaften. In der europäischen Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts erscheinen sie häufig in allegorischen Darstellungen, die sowohl dekorativen als auch intellektuellen Anspruch vereinen. Während die Muse der Liebesdichtung – Erato – und die Muse für Chorlyrik und Tanz – Terpsichore – sowie die Muse des Gesangs – Polyhymnia – oft durch Musikinstrumente gekennzeichnet sind, werden die Muse der Geschichtsschreibung – Klio – und die Muse der epischen Dichtung – Kalliope – häufig durch Attribute des geistigen Schaffens begleitet, etwa durch einen Schreibgriffel und ein Schriftstück. Solche Kombinationen verweisen auf das harmonische Zusammenspiel von Musik und Dichtung, zwei eng miteinander verbundene Künste.
Das vorliegende Gemälde zeigt zwei einander zugewandte, offenbar kommunizierende weibliche Figuren vor einer bewegten, wolkigen Himmelslandschaft. In der rechten Bildhälfte erscheint die Muse der Musik, wohl Euterpe, halb entblößt, lediglich von einem leicht über die Schultern fallenden weißen Gewand bedeckt. In ihrem kunstvoll geflochtenen Haar sind Blumen eingeflochten, darunter eine zarte rosafarbene Rose. In ihrer rechten Hand hält sie ein zusammengerolltes Notenblatt, während sie mit der linken eine Leier umfasst; daneben ist eine Violine zu erkennen. Mit erhobenen Augenbrauen, geöffneten Augen und leicht geöffnetem Mund ist sie im Dreiviertelprofil ihrer Gefährtin zugewandt, als befände sie sich im lebhaften Austausch.
Die zweite Muse in der linken Bildhälfte ist ebenfalls im Dreiviertelprofil dargestellt und wendet sich der ersten zu. Ihr geflochtenes braunes Haar ist mit Lorbeerblättern geschmückt, einem klassischen Attribut dichterischer Inspiration. Sie entblößt eine Brust teilweise, während ein blauer Mantel locker über ihr Gewand gelegt ist. Mit der linken Hand greift sie in die Saiten des Instruments, während sie sich mit dem rechten Ellbogen aufstützt und mit einem Schreigriffel auf ein Blatt schreibt, auf dem bereits einige Zeilen sichtbar sind.
Bei dem vorliegenden Werk handelt es sich um eine qualitätvolle Variation eines Gemäldes von de Troy im New Orleans Museum of Art. Die Zuschreibung ergibt sich außerdem aus stilistischen Vergleichen mit weiteren gesicherten Werken des Künstlers, wie etwa der Allégorie de la Force et de la Tempérance im Château d’Aulteribe (Sermentizon). Dort zeigen sich vergleichbare Figurenhaltungen, eine ähnliche Behandlung der Gewänder mit ihrer leuchtenden Farbigkeit sowie ein analog aufgebauter, weich modellierter Himmel. Auch die Gesichtszüge der Figuren – insbesondere der rechten Muse – sowie die fein ausgearbeitete Inkarnatmalerei weisen deutliche Parallelen auf. Die Kombination zweier allegorischer Figuren entspricht zudem der Praxis des Künstlers, Pendants mit moralisch oder intellektuell aufgeladenen Themen zu schaffen.
De Troys Malerei zeichnet sich durch eine elegante, fließende Pinselführung und eine reiche, zugleich harmonische Farbpalette aus. Seine Kompositionen verbinden dekorative Anmut mit erzählerischer Klarheit und spiegeln den Übergang von der strengen Historienmalerei des 17. Jahrhunderts zu den leichteren, galanten Bildfindungen des 18. Jahrhunderts wider. Trotz der im Laufe des Jahrhunderts zunehmenden Kritik an allegorischen Darstellungen – etwa durch den Abbé Du Bos oder Denis Diderot – blieb das Genre aufgrund seiner repräsentativen und intellektuellen Qualitäten weiterhin gefragt. In Werken wie dem vorliegenden zeigt sich die anhaltende Faszination für allegorische Themen, die in de Troys Händen eine besondere Eleganz und künstlerische Raffinesse erreichen. 

Literatur: Christophe Leribault, Alastair Laing, Jean-Franc̦ois de Troy, 1679-1752, Paris, Arthéna, 2002. 

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