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Peter Paul Rubens

10. Auktion

Los 36 Auktion

Peter Paul Rubens

Nachverkaufspreis:  19.410

  • USD: 20.342 $
  • GBP: 16.582 £
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Zusätzliche Informationen

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Siegen 1577 – 1644 Antwerpen, Werkstatt zugeschrieben
Das Jesuskind und der Johannesknabe
Öl auf Leinwand
116 x 153 cm, mit Rahmen 129 x 168 cm
Provenienz:
Römischer Adelsbesitz, aus einem Palazzo in Rom
Privatsammlung Hamburg

Diese besonders liebliche Szene von Jesus und Johannes dem Täufer als Kinder, mit dem Lamm spielend, ist eines der berühmtesten Sujets des flämischen Barockmalers Peter Paul Rubens (1577-1640). Das Gemälde stammt aus einer Privatsammlung in Hamburg und geht zurück auf einen römischen Adelsbesitz („römische Version“).

Der Kunstexperte Prof. Dr. Nils Büttner hat bei einem Besuch des Auktionshauses die fachliche Auskunft erteilt, dass die Gemälde der Rubenswerkstatt eine graue Grundierung aufweisen. Diese findet man auch bei diesem hier vorliegenden Gemälde, welches daher, unserer Einschätzung nach, eine Schöpfung aus der Werkstatt von Peter Paul Rubens darstellt. Das Werk hebt sich im Vergleich zu den Wiederholungen jenes populären Sujets nach einem verschollen geglaubten Original von Rubens in seiner hohen Qualität ab. Erwähnenswert ist, dass Museen von Weltrang wie die Alte Pinakothek in München und das Nationalmuseum in Warschau ebenfalls Wiederholungen der Rubens Werkstatt gleichen Themas besitzen.

Der Malerfürst
Wer war Peter Paul Rubens? Der flämische Maler wurde im Jahr 1577 in Siegen/Westfalen geboren. Nachdem er bei Tobias Verhaecht, Adam van Noort und Otto van Veen das Malerei-Handwerk gelernt hatte, war er ab 1598 Teil der Lukasgilde in Antwerpen. Anfang des 17. Jahrhunderts hatte er Italien- sowie Spanien-Aufenthalte. Besonders die italienische Malerei prägte ihn, vor allem Renaissancewerke Tizians oder jene der Antike, die er durch das Mäzenatentum des Hofes in Mantua studieren konnte. Nach seiner Rückkehr nach Antwerpen, seiner Heirat und anschließender Anstellung als Hofmaler des Statthalterpaares, schuf er ein Atelier, welches als die größte Künstlerwerkstatt im Barock gilt. Als sogenannter „Malerfürst“ führte er zahlreiche kirchliche und profane Aufträge aus.

Jesus und Johannes der Täufer als Kinder
Jesus und Johannes der Täufer sind als Kinder, ein Lamm streichelnd, in einer idyllischen Landschaft dargestellt. Das Motiv stammt aus biblischen und apokryphen Texten, die sich mit der Kindheit Jesu befassen, nämlich, wie Johannes der Täufer seinen Cousin Jesus begrüßt. Ersterer präsentiert ihm das Lamm, nach seinem Zeugnis im Johannesevangelium (1:29): „Am Tag darauf sah er Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt.“ Die Beziehung zwischen beiden Kindern ist ein Verweis auf die Taufe Christi.

Das leuchtende Zentrum bilden die zwei halbnackten Kinderfiguren in lebhaft-bewegter, pyramidaler Komposition, zwischen ihnen das äußerst lebendig anmutende Tier. Johannes, mit rot-braunem Haarschopf und charakteristischem Fellüberwurf, ist im Ausfallschritt gezeigt und berührt mit der rechten Hand den Hals des Lammes, das auf dem Waldboden kniet. Der Kopf ist auf das Knie des Jesuskindes gebettet, der nachdenklich auf das Tier herabblickt und über dessen Kopf streicht. Er ist ebenfalls in virtuos eingefangener Bewegung dargestellt; vorsichtig tritt er mit dem rechten Fuß auf, um das Vorderbein des Lamms nicht zu verletzen. Gleichzeitig suggeriert dies die Verbundenheit zwischen Christus und dem Lamm als Agnus Dei: Er war bereits seit seiner Geburt dazu bestimmt, das Lamm Gottes zu sein. Seine blonde Lockenpracht wird durch eine Lichtquelle erhellt, wobei seine Kalotte den höchsten Punkt der Figurengruppe bildet. Er ist zusätzlich vom dunklen Felsvorsprung gerahmt, der über seinen Kopf hinwegklafft. Möglicherweise bietet dieser Felsen Schutz für eine kurze Rast? Es erweckt allerdings auch den Anschein, als wäre das Christuskind gerade aus einer dunklen Höhle herausgekommen, wobei dies bereits auf die Auferstehung verweisen könnte, unterstrichen vom Lamm Gottes als Symbol eben jener Auferstehung. Weiters deutet das rote Tuch auf die Passion Christi hin. Zusätzlich könnte der Teich rechts im Vordergrund sowie der Wasserlauf hinter Johannes auf die zukünftige Taufe Christi hinweisen. Der Himmel scheint bereits leicht bewölkt zu sein – könnte dies den Übergang von einer sorgenfreien, unbeschwerten Kindheit zur späteren Passion Christi widerspiegeln? Die gesättigten Grüntöne und der klare Flusslauf deuten jedoch eine verheißungsvolle, frühlingshafte Naturstimmung an, die der Maler in ausgesprochen sorgfältiger Manier eingefangen hat.

Farbe und Licht
Die Aussagekraft des Bildes wird durch die gekonnte Farb- und Lichtregie gesteigert. Die spannungsvolle Gesamtkonfiguration ist daher durch die hohe koloristische Wirkung unterstrichen. Nicht nur die Hell-Dunkel-Kontraste innerhalb der Landschaft lenken den Blick auf das Bildzentrum, sondern auch das expressiv gestaltete Inkarnat, das sich aus einer Mischung von Rot, Gelb und Blau zusammensetzt. Diese für Rubens typische Farbgebung in der Gestaltung der Hautoberflächen hebt das leuchtende Inkarnat mit modellierten Halbschatten zusätzlich hervor. Es sind besonders die Elemente der Farbgestaltung und des Lichteinfalls, die die Szene meisterhaft erstrahlen lassen und dem Betrachter vor Augen führen, wie Rubens die klassische Malerei durch die virtuose Dynamisierung des Barocks weiterentwickelte. Rubens übte großen Einfluss auf die Nachfolger der niederländischen Malerei aus.

Werkstattprozesse
Die gediegene Ausdruckskraft des Bildes äußert sich besonders durch die verspielte Kinderdarstellung, die in einer Landschaft verortet ist. Dies spiegelt ein populäres Thema in Rubens Oeuvre wider; als Vergleichsbeispiel ist hier das Bild „Die Früchtegirlande“ (Alte Pinakothek, München) zu nennen. Dieses führte der Malerfürst zusammen mit Frans Snyders (1579-1657) und Jan Wildens (1586-1653) aus. In einem mehrstufigen Arbeitsprozess wurden die meisten Gemälde eigentlich von Rubens Werkstatt nach seinen Skizzen ausgeführt, wobei dies von Rubens streng kontrolliert wurde. Seine Werkstatt war immens produktiv, wobei man die Arbeitsweise eher mit einer Manufaktur vergleichen kann, besonders aufgrund der Vielzahl der ausgeführten Werke. Rubens hatte auch selbstständige Meister angestellt, die für bestimmte Details zuständig waren, beispielsweise mit Spezialisierungen auf Landschaftsmalerei.

Verbreitung von Rubens Kompositionen
Rubens detaillierte Vorzeichnungen und Skizzen ermöglichten nicht nur die schnelle und ausführliche Arbeit in seiner eigenen Werkstatt; er nutzte Medien wie Holzschnitte und Kupferstiche ebenfalls zur Verbreitung und Reproduktion seiner Werke. Christoffel Jegher (1596-1652), der für Rubens arbeitete, fertigte einen Holzschnitt desselben Sujets nach dem Design von Rubens in gespiegelter Façon an (British Museum R,4.2). Es ist ein Holzschnitt in Chiaroscuro, der um 1632-36, daher zu Rubens Lebzeiten, entstanden ist. Am linken unteren Rand das Monogramm „C.I“ des Künstlers sowie „P. P. Rubens delin./ & excudit“. Dies zeigt deutlich, dass die Idee für die Komposition und einzelnen Details von Rubens selbst stammten. Im Vergleich zu dem Gemälde ist besonders die Übereinstimmung in physiognomischen Details wie der Finger und Zehen oder wie der fleischigen Muskulatur an Armen und Beinen zu nennen, sowie die fein ausgearbeitete Landschaft mit dem Vogel, der auf einem erhöhten Ast sitzt.

Es ist bekannt, dass Rubens bei einigen seiner Werke „Verbesserungen“ im finalen Gemälde ausführte. Ein wichtiges Merkmal ist die Haltung von Johannes, der bei der römischen Version nicht mit beiden Händen den Hals des Lamms umschlingt, sondern nur mit der rechten Hand die Flanke des Tiers zu tätscheln scheint. Dies verringert die präsentierende Darbietung des Tieres und ermöglicht eine innige Intimität zwischen den Protagonisten und dem Lamm. Zahlreiche weitere Holzschnitte aus späterer Zeit existieren, die dieses beliebte Bildthema in gleicher oder ähnlicher Komposition von Rubens aufgreifen. Weiters existieren zahlreiche Holzschnitte, Kupferstiche oder Ölgemälde, die bei Auktionen hohe Preise erzielten.

Ausgewählte Vergleiche

1. Schleißheim, München
Eine qualitativ besonders hochwertige Wiederholung dieses Sujets befindet sich in der Staatsgalerie im Neuen Schloss Schleißheim in München, betitelt als „Jesus und Johannes in jugendlichem Alter“ (Inv.-Nr. 1296). Es ist um 1628 datiert, als „Peter Paul Rubens (Schule)“ ausgewiesen und weist ein ähnliches Format auf (Maße: 121,3 x 162,5 cm). Minimale Abweichungen bestehen zwischen beiden Bildern, unter anderem der weicher modellierte, erdige Vordergrund und die andersartigen Seerosen im Teich der römischen Version. Weiters die prägnanter überzeichnete, hohe Stirn in barocker Manier und eine kräftigere Farbpalette in der Darstellung des Himmels, wobei das tiefere Blau und die dunklen Wolken bei der Münchner Version einen unheilvolleren Charakter aufweisen. Weiters ist die Natur, und vor allem die Pflanze mit den zwei Blüten zwischen den beiden Kindern, lieblicher und idyllischer in der römischen Version ausgeführt.

2. Nationalmuseum, Warschau
Eine weitere Version befindet sich im Nationalmuseum in Warschau (Inv.-Nr.: M.Ob.2404 MNW, Maße: 120 x 172 cm). In dieser Wiederholung scheint die Farbpalette zurückgenommener, ebenso wie die sonst in Szene gesetzten Lichtspiele in Rubens Werken. Die Umrisslinien sind auch härter gezogen und verleihen dem Gesamtbild der Warschauer Version einen scharfkantigen Ausdruck. Dadurch wirkt die Konzeption auch etwas düsterer und die sonst so charakteristische Leuchtkraft ist gedämpft. Weiters sind die Gesichter in der römischen Version pausbäckiger gezeigt und die Oberfläche des Inkarnats deutlich expressiver modelliert.

3. Château Chenonceau, Vallée de la Loire
Eine andere Version befindet sich im Salon de Louis XIV im Château Chenonceau, Vallée de la Loire. Es ist Rubens zugeschrieben und ins Jahr 1615 datiert. Bei dieser Darstellung haben sich bereits dunkle Wolken zusammengezogen und die Bäume wirken beinahe von einem Unwetter erfasst. Durch den grauen Unterton der Gesamtdarstellung ist die Chenonceau Fassung wieder unheilvoller als bei der römischen Version.

4. „Spinola“ Rubens
Der sogenannte „Spinola“ Rubens (Maße: 112 x 149,5 cm) wurde als Werk Rubens in zahlreichen Ausstellungen gezeigt und schließlich im Jahr 2020 im Dorotheum als Werk aus Rubens Werkstatt verkauft, wobei es einen hohen sechsstelligen Betrag erzielte. Hans Vlieghe bestätigte hier, dass es sich um ein Gemälde aus Rubens Werkstatt handle. Abweichende Merkmale des „Spinola“ Rubens sind die überzeichnete, hohe Stirn mit zurückgenommener Kinnpartie, das gräuliche Fell des Lamms, das stark kontrastreiche aber weniger leuchtende Inkarnat und das dunklere Blau des Hintergrunds.

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