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Heiliger Michael

10. Auktion

Los 718 Auktion

Heiliger Michael

Nachverkaufspreis:  5.176

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Süddeutsch/Nürnberg?
Um 1520
Nussholz geschnitzt
Höhe 90 cm

Diese Darstellung bezieht sich auf die Offenbarung des Johannes, in der ein Krieg im Himmel zwischen Engeln unter der Führung des Erzengels Michael gegen den Teufel beschrieben wird. Aufgrund von Interpretationen der hebräischen Bibel wurde der Name Luzifer (“Morgenstern”, nach Jesaja 14,12) in der christlichen Tradition mit Satan und seinem Sturz vom Himmel in Verbindung gebracht.
Hier wird der kriegerische Erzengel Michael in einer römisch anmutenden Rüstung und mit einem offenen, wehenden Mantel dargestellt. Er drückt mit einem gestiefelten Bein Luzifer, eine Kreatur mit scharfen Klauen, spitzen Ohren und einem Fratzengesicht, nieder. Die rechte Hand ist vor der Brust verschränkt, die linke vor den Körper gestreckt. Hier hielt er vermutlich das flammende Schwert bzw. den Speer oder die Waage, die auf seine Rolle als Richter beim Jüngsten Gericht hinweist. Die wehende Draperie sowie die gedrehte Figur des sich am Boden windenden Gegners verleihen der Figurengruppe eine lebendige Dynamik und Unmittelbarkeit. Der aufwehende Saum von Michaels Gewand, an der Innenseite im Kontrast zur übrigen holzsichtigen Figur prunkvoll vergoldet, lenkt den Blick des Betrachters auf Luzifer.
Mit Händen und Füßen wehrt sich der Teufel gegen den Erzengel, der ihn jedoch bereits besiegt hat. Seine klauenförmigen Hände greifen nach dem Saum der Kleidung; mit den noch menschlichen Füßen versucht er den Angreifer von sich wegzudrücken. Luzifer ist nackt dargestellt, wobei sich der Rippenkorb unter der Haut abzeichnet. Sein zerfurchtes Gesicht weist übergroß proportionierte Ohren auf und war einst von eingesteckten Hörnern geziert. Die großen, tief liegenden Augen sind weit geöffnet, eine prominente Zornesfalte führt zur breiten Nase hinunter und kulminiert in einem weit geöffneten Mund mit einer Reihe von riesig anmutenden Zähnen. Der Mund ist zur Grimasse verzogen und scheint wie im Schrei erstarrt.
Im Gegensatz dazu ist die Physiognomie des Heiligen Michael idealisiert, mit schulterlangen gelockten Haaren, einer hohen Stirn, schmalen gebogenen Augenbrauen, großen mandelförmigen Augen und einem geschlossenen Mund. Entrückt blickt er gerade nach vorne, sein Sieg über den Teufel ist scheinbar mühelos. Insgesamt vermittelt der Heilige mit seiner kraftvollen Haltung eine innere Ruhe, die das Gemüt des Erzengels effektiv repräsentiert. Der ihn umgebende voluminöse Mantel schafft ein kontrastierendes Element der Bewegung; an der Rückseite deuten zwei Ausnehmungen darauf hin, dass hier einst die majestätischen Flügel Michaels befestigt waren.
Es handelt sich vermutlich um ein Werk aus dem Umkreis von Veit Stoß (Horb am Neckar c. 1447 – 1533 Nürnberg), einem Bildhauermeister der Spätgotik, da es besonders mit seinem Spätwerk aus der Nürnberger Zeit verwandt ist. Große stilistische Ähnlichkeit besteht mit der Schutzengelgruppe, dem Erzengel Raphael und dem jungen Tobias, aus der Dominikanerkirche in Nürnberg von 1516 (Germanisches Nationalmuseum Pl.O.2720, Pl.O.1834). Dies ist besonders frappierend in der sanften Modellierung der Falten, durchbrochen von bewegten Elementen, die die Darstellung beleben. Die weich gebogenen Faltensäume sind ebenso mit der Hausmadonna vom Wohnhaus des Bildschnitzers um 1499/1500 (Germanisches Nationalmuseum Pl 0107) vergleichbar.

Literatur:
Michael Baxandall, The Limewood Sculptors of Renaissance Germany, New Haven 1980.
Ellen Schultz (Hrsg.), Gothic and Renaissance Art in Nuremberg, New York 1986.

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