Hans Klocker | 9. Tiberius Auktion
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Hans Klocker

Nachverkauf der 9. Auktion

Hans Klocker

Nachverkaufspreis:  126.400

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Hans Klocker
Gais vor 1474 – nach 1500
Madonna
Lindenholz geschnitzt & polychrom gefasst
Um 1480/90
Höhe 77 cm

Diese ausgesprochen qualitätvolle Madonnenfigur aus Zirbenholz weist typische Merkmale des spätgotischen Bildhauermeisters Hans Klocker auf. Er ist einer der bedeutendsten Schnitzer Südtirols des späten 15. Jahrhunderts und war vor allem in Brixener und Bozner Raum aktiv. Klockers Oeuvre zeichnet sich durch blockhaft geschlossene Körper und detailreichen Realismus aus. Der verhalten bewegte Körper Marias wird durch die voluminösen Knickfaltenkonfigurationen der Draperie des Übergewandes besonders dynamisch und majestätisch dargestellt. Die meisterhafte Wiedergabe des Faltenwurfs ist charakteristisch für diesen österreichischen Bildschnitzer der Spätgotik, der Anleihen bei Hans Multscher und Michael Pacher nahm. Jedoch sind hier die tief geschnitzten Falten mit steilen Graten besonders eindrucksvoll und manifestieren das außerordentliche Talent des Schnitzmeisters. Besonders hervorzuheben ist die „eingeschlagene“ Falte über dem Knie des rechten Fußes, der auf dem Gesicht auf der Mondsichel platziert ist. Vergleichbar sind hierbei die Figuren auf den Flügelreliefs des Traminer Altars der Valentinskirche (Bayerisches Nationalmuseum MA 1952.1-6) um 1485-90. Die breite umgeschlagene Innenseite des Mantels präsentiert sich in eckig modellierter Draperie. Eine große Ähnlichkeit hat die Madonna des Flügelalter aus Zams um 1485 (Bode Museum, Berlin), die ebenso eine ausladende Schüsselfalte mit komplexen Knick- und Eckfalten aufweist. Einen dynamischen Gegenpol bildet das über den Kopf drapierte Schleiertuch, das häufig bei Klockers Madonnenfiguren zu sehen ist. Ein schlagendes Vergleichsbeispiel sind die Marienfiguren im Altarschrein von St. Valentin in Villnöß um 1500. Unter dem locker aufgelegten Tuch treten lange, auf den Schultern aufliegende Haarlocken hervor, die in typisch spätgotischer Manier geschnitzt sind. Ein weiterer auffälliger Aspekt ist die Mondsichel mit großproportioniertem Gesicht bestehend aus markanter Nase, hohen Wangenknochen und wulstigen Lippen, über welches Maria triumphiert.
Die zentrale, dem Betrachter präsentierte Figur ist das nackte Jesuskind, das Maria mit zärtlicher Geste in den Armen wiegt. Es hält eine Weltkugel und ist in kecker Seitenlage dargestellt, beinahe, als würde es mit Füßchen und Ärmchen strampeln. Mit der linken Hand packt es in kindlicher Geste den Mantel der Mutter und schmiegt sich an ihre Brust. Dabei blickt es wissend auf den Betrachter herab, wobei dies darauf hinweist, dass diese Figur insgesamt wohl auf Untersicht konzipiert war. Die schneckenartigen Löckchen des Kindes rahmen sein pausbäckig-idealisiertes Gesicht, das typisch für diese Zeit ist. Die hochqualitative schnitzerische Ausführung der Locken entspricht jener des Kindes des Traminer Altars. Die Figuren Klockers zeichnen sich besonders durch dünne sichelförmige Brauen, große mandelförmige Augen, füllige Gesichter mit kleiner Kinnpartie samt Grübchen und ringförmige Halsfalten aus. Durch diese Hautfalten wird die Menschlichkeit der Figuren betont, sowie ein Grad an Realismus eingeführt.
Besonders beachtlich ist die originale Fassung, nicht nur des schimmernden Inkarnats mit lebendig-geröteten Wangen, sondern auch die Polychromie des voluminösen Übergewandes. Dieses erstrahlt in leuchtendem Mintgrün an der Außenseite und in einem herrlichen Blau als gelungener Kontrast an der Innenseite, sichtbar durch die meisterhaft drapierte, ausladende Schüsselfalte.
Insgesamt vermittelt die Madonnenfigur eine ausgewogene Balance zwischen dynamischer Bewegtheit durch die Draperie sowie das kecke Christuskind und einer Ausstrahlung von gütiger Ruhe, mit der Maria auf die Fürbitter hinabsieht.

Literatur:
Erich Egg, Gotik in Tirol. Die Flügelaltäre, Innsbruck 1985.
Gisela Scheffler, Hans Klocker. Beobachtungen zum Schnitzaltar der Pacherzeit in Südtirol, Innsbruck 1967.

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