Italo-flämischer Meister | 6. Tiberius Auktion

40° 33′ 0” N 14° 16′ 0” O

6. Tiberius Auktion

Tag 1:    5. Juli – 17:00    |    Los 1 – 234
Tag 2:    6. Juli – 17:00    |    Los 235 – 498

Los 11 Auktion

Italo-flämischer Meister

17. Jahrhundert
Mythologische Darstellung

Schätzpreis: € 3.000 / 5.000

Rufpreis:  1.500

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Additional information

Italo-flämischer Meister
17. Jahrhundert
Mythologische Darstellung
Öl auf Leinwand, doubliert
119 x 170 cm

Dieses rätselhafte Gemälde des 19. Jahrhunderts zeigt einen Dialog zwischen zwei Figuren, vermutlich biblischer Herkunft, inmitten einer ruinösen felsigen Landschaft, die einer Höhle ähnelt. Ein sitzender Krieger umklammert mit der linken Hand einen Säbel und hat die rechte Hand erhoben, wohl nach dem Gefäß greifend, dass der ältere Mann in seiner Hand hält. Dieser verweist jedoch auf den goldenen, reich verzierten Wagen, vor den zwei Pferde gespannt sind. Das Gespann ist von einem mystischen dunklen Nebel oder Rauch umhüllt; dahinter wird die Sicht auf Vegetation und einen idyllischen Himmel freigegeben. Auf der rechten Bildhälfte sind jedoch die Überreste eines römisch anmutenden Tempels gezeigt: Gebälkfragmente mit typischem Zahnschnittfries und Kapitellteile liegen im verschatteten Vordergrund, während zwei eckige Säulenbasen mit abgebrochenen, steinernen Säulenschäften sowie zwei metallene Becken mit löwenartigen Maskaronen, aus denen Wasser in ein Becken fließt, hinter der Figurengruppe verortet sind. Es könnte sich hierbei um den Salomonischen Tempel handeln, mit dem Säulenpaar Jachin und Boas im Vorhof des Tempels, sowie hier zwei Brunnenbecken, die an das Eherne Meer, ein großes bronzenes Wasserbecken zur rituellen Reinigung, erinnern. Es scheint, als habe sich der Krieger entweder zur Rast und Erfrischung niedergelassen oder hier gekämpft, wobei dies auf die Zerstörung dieses ersten Tempels infolge der Eroberung von Jerusalem im Jahr 587 v. Chr. durch den babylonischen König Nebukadnezar II. verweisen könnte.
Die Figurengruppe weist jedoch starke Ähnlichkeiten zu dem populären Bildthema des barmherzigen Samariters auf. Diese neutestamentarische Erzählung (Lk 10,25-37) beinhaltet ein Gleichnis über die Nächstenliebe, die mit der Gottesliebe verbunden wird. Jesus erzählt von einem Samariter, dem Mitglied einer Religionsgemeinschaft, der sich eines verletzten und geplünderten Mannes auf dem Weg von Jerusalem nach Jericho erbarmte und ihn mit seinem Pferd zur Herberge brachte. Bereits in Gemälden des 17. Jahrhunderts ist der Samariter als älterer Mann mit langem weißem Bart sowie mit Turban gezeigt, der mit einem Salbgefäß die Wunden des Verletzten versorgt. Auch ein Holzstich des 19. Jahrhunderts von Julius Schnorr von Carolsfeld (1860) bezeugt das Weitertradieren dieses Figurentypus. Jedoch scheint dieses Bildthema hier aufgrund des Zweigespanns sowie der Kleidung der sitzenden Figur, die sonst nur spärlich gekleidet und beinahe ohnmächtig dargestellt wird, abgewandelt zu sein.
Der Sitzende trägt ein eklektisches, römisch-türkisches Kostüm und ist als Krieger oder Soldat ausgewiesen; nicht zuletzt aufgrund des Säbels und dem Schild, einem römischen Scutum oder „Turmschild“ (rechteckiges, gewölbtes Holzschild), das Teil der Ausrüstung der Legionäre der römischen Armee war. Weiters trägt der Krieger am Oberkörper eine aufgekrempelte Tunika und darüber eine Lorica segmentata (Glieder-, Schienen- oder Spangenpanzer), die seit Anfang des 1. Jahrhundert n. Chr. genutzt wurde. Hohe metallene Schuhe, möglicherweise elaborierte Caligae oder Marschstiefel, ergänzen das Gesamtbild. Der rote, über die rechte Schulter und linken Fuß geschwungene Stoff könnte ein Paludamentum, ein Feldherren- und Soldatenmantel der als Rangabzeichen diente, darstellen. Jedoch trägt die Figur keinen römischen Helm, sondern einen weißen Turban mit Quasten. Zusammen mit der Gesichtsphysiognomie des Mannes, der einen Schnauzbart hat, verweist diese Darstellung eher auf ein türkisches Kostüm. Vergleichsbeispiele stellen das Portrait von Thomas Hope im türkischen Kostüm von Henry Bone aus dem frühen 19. Jahrhundert oder der Wasserpfeifenraucher von Rudolf Ernst aus dem späten 19. Jahrhundert dar. Bemerkenswert sind hier nicht nur die Ähnlichkeiten von Turban und Schnauzbart, sondern auch das weiße, am Ellenbogen umgeschlagene Untergewand sowie das rote, über die Schulter geworfene Tuch. Möglicherweise liegt hier eine Verbindung mit der Faszination des „Orients“ im 19. Jahrhundert und dem daraus entstandenen Orientalismus vor.

Zerstörung des Tempels:
James Tissot (19./20. Jh.): https://en.wikipedia.org/wiki/Nebuchadnezzar_II#/media/File:Tissot_The_Chaldees_Destroy_the_Brazen_Sea.jpg

Barmherziger Samariter:
Balthasar van Cortbemde (1647): https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Balthasar_van_Cortbemde_-_The_Good_Samaritan.jpg
Jan Wijnants (1670): https://www.hermitagemuseum.org/wps/portal/hermitage/digital-collection/01.+Paintings/46144
Julius Schnorr von Carolsfeld (1860): https://www.istockphoto.com/de/vektor/der-barmherzige-samariter-holzschnitt-veröffentlicht-1890-gm1003530354-271106500

Orientalismus:
Henry Bone (A. 19. Jh.): https://artsandculture.google.com/asset/a-portrait-of-thomas-hope-in-turkish-costume-henry-bone/-gGa2thrVjzy_A

 

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